Psychoanalyse als Gesellschaftswissenschaft und als ihr Anderes

29. Oktober 2026 | 19:00–21:00

Vor­trag von Got­tfried Schnödl

Bekan­ntlich stellt die Psy­cho­analyse zunächst ein­mal eine Ther­a­pieform dessen dar, was in Sig­munds Freuds Zeit­en noch als seel­is­ches Lei­den beze­ich­net wurde. Dass schon dabei Gesellschaftlich­es nicht aus­ge­blendet wer­den durfte, machen bere­its die frühen Krankengeschicht­en Freuds deut­lich, in denen ein ums andere Mal zeit­genös­sis­chen Sex­u­al­itäts- und Geschlech­ter­diskursen bzw. ‑prak­tiken, Fam­i­lien- oder mithin auch Arbeitsver­hält­nis­sen eine entschei­dende Rolle etwa für die Entwick­lung von Neu­rosen eingeräumt wird. Gle­ichzeit­ig wen­det sich Freud mit Vehe­menz gegen die Hoff­nung, solch indi­vidu­ellem Lei­den an „der Kul­tur“ durch eine Änderung dieser gän­zlich beikom­men zu kön­nen. Zum einen schreibt er dieser mit­nicht­en nur neg­a­tiv­en Ein­fluss auf das Indi­vidu­um zu, zum anderen ziehe sich die lei­d­volle Diskrepanz zwis­chen Kul­tur und Indi­vidu­um schlechthin durch die men­schliche Entwick­lungs­geschichte, mag sie auch immer wieder andere For­men annehmen. Diese Entwick­lungs­geschichte und mit ihr dieses Ver­hält­nis auszumessen begin­nt die Psy­cho­analyse kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Nach seinem Ende wird dieser Bere­ich zu dem vielle­icht inter­es­san­testen der psy­cho­an­a­lytis­chen The­o­riebil­dung. Dass und warum man den­noch – frei nach Theodor W. Adorno – sagen kön­nte, Psy­cho­analyse sei nur ger­ade und nur insoweit Gesellschaftswis­senschaft, als sie deren und ihre eige­nen Gren­zen reflek­tiere, ver­sucht der Vor­trag zu zeigen.

Got­tfried Schnödl studierte Geschichte und Ger­man­is­tik in Wien. Derzeit ist er wis­senschaftlich­er Mitar­beit­er an der Pro­fes­sur für Geschichte, The­o­rie und Ästhetik mate­ri­aler Kul­turen an der Fakultät Kun­st und Gestal­tung der Bauhaus-Uni­ver­sität Weimar. Er beschäftigt sich mit der Geschichte der Psy­cho­analyse und ihrer Bedeu­tung für Kun­st und Wis­senschaft.

Die Ver­anstal­tung ist Teil der Rei­he “Kun­st, Spek­takel & Rev­o­lu­tion” und ist eine Koop­er­a­tion es Bil­dungskollek­tivs mit der ACC Galerie Weimar. Sie wird unter­stützt von der Rosa-Lux­em­burg-Stiftung Thürin­gen.

Datum:

29. Okto­ber 2026    

Zeit:

19:00–21:00

Veranstaltungskategorie/n:

Veranstaltungsort:

ACC Galerie
Burg­platz 1
Weimar

Veranstalter*in:

BiKo